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KURS AUF DEN GRAND PALAIS

Unter dem weiten Dach aus Glas und Stahl des Pariser Grand Palais ist eine anspruchsvolle Retrospektive über die Maison Louis Vuitton zu sehen. Ausstellungskurator Olivier Saillard analysiert für uns sieben wichtige Ikonen.

Auf den Spuren von Louis Vuitton … Man könnte diesen Ausdruck wortwörtlich nehmen, wenn man weiß, dass dies der berühmte Name eines damals noch jungen Mannes ist, der – vom Glauben an seine Bestimmung getrieben – aus seiner Heimatregion, dem Jura, aufbrach, um Paris und später die Welt zu erobern. „Auf den Spuren von Louis Vuitton“ … Dies ist auch eine Einladung, die umfangreiche Retrospektive der Maison Louis Vuitton im Grand Palais zu entdecken. Die Reise beginnt mit einem Koffer, der geöffnet wird, um mehr als 160 eindrucksvolle Jahre und die Geschichte einer außergewöhnlichen Familie nachzuzeichnen. Von Gestern bis Heute, von überragender Handwerkskunst zu grenzenlos scheinender Kreativität, ist die zukunftsweisende Vorstellungskraft des Gründers in der avantgardistischen Vision der neuen Generation spürbar. Ausstellungskurator Olivier Saillard gibt uns vor der Eröffnung der Ausstellung einen Einblick in die Schatzkiste, die uns im Grand Palais erwartet. Werfen wir einen Blick zurück auf einige der charakteristischsten Produkte von Louis Vuitton.

DIE NOÉ
„Sie ist ein Symbol für die Zeit, in der man elegant reiste. Gaston-Louis hat die Noé im Jahr 1932 für einen Champagnerproduzenten entworfen. In die Tasche passen fünf Flaschen. Wenn man Champagner oder sein Teeservice mitnahm, tat man damit nichts anderes, als die ‚Art de vivre‘, die man zu Hause kultivierte, auch auf Reisen zu pflegen. Die Noé ist eine Vorläuferin der City Bag. Sie ist zu einem Klassiker der Maison geworden und in mehreren fröhlichen, leuchtenden Farben erhältlich.“

DER TRIANON KOFFER
„Dies ist der erste Koffer, den Louis Vuitton entworfen hat. Er hat das Prinzip des Koffers mit der hellgrauen – ‚Trianon-Grau‘ genannten – Textilbespannung revolutioniert. Es handelt sich um einen großen und dank seines Rahmens aus Pappelholz dennoch leichten Truhenkoffer. Daran kann man sehen, dass praktische Lösungen oft zu völlig neuen Konzepten führen. Louis Vuitton arbeitete auch schon sehr früh am sicheren Verschlussmechanismus und an der Innenausstattung des Koffers, beispielsweise durch die Schaffung eines Innenrahmens und die Verwendung von Leinenbändern, der Signatur der Koffermacher. Alles ist funktionell. Dieser Koffer ist einer der ältesten Louis Vuitton Koffer. Er wurde im Jahr 1870 hergestellt und gehörte der mysteriösen Comtesse de V. Es ist auffällig, dass bei den neuesten Designs der Maison – beispielsweise beim von der Künstlerin Cindy Sherman gestalteten Koffer – die gleichen Grundprinzipien angewendet werden wie bei den ältesten Modellen.“

DIE MARCEAU
„Die Familie Vuitton liebte Flugreisen. Zwei von Georges‘ Kindern, die Zwillinge Pierre-Eugène und Jean-Armand, haben Hubschrauber und ein Flugzeug entworfen, für das sie ein Patent angemeldet haben. Im Flugzeug brauchte man leichte, weiche Taschen. Diese Tasche, die vermutlich Picassos Muse Dora Maar gehört hat, ist ein schlichtes Modell aus braunem Canvas. Sie ist eine der ersten weichen Taschen. Trotz ihres einfachen Aussehens ist sie die Vorläuferin der modernen City Bag, der Reisetasche und der eleganten Damentasche.“
DAS BUCH „GOLD“
„Bücher waren schon immer sehr wichtig in der Geschichte der Maison Louis Vuitton, die heute mehrere Buchkollektionen herausgibt. Das Interesse am Verlagswesen und der Typografie verdanken wir Gaston-Louis Vuitton. Die Maison hat in ihrer Geschichte eine Reihe sehr eleganter und raffinierter Koffer für Schriftsteller und Bibliophile entworfen, wie den von Ernest Hemingway. Gaston-Louis Vuitton zeichnete und schrieb auch selbst. Er hat unzählige personalisierte Logos entworfen und sammelte antiquarische Bücher. Wir verdanken ihm unter anderem die Herausgabe des sehr schönen Buches ‚Gold‘ von Blaise Cendrars in einer kostbaren Auflage mit Golddruck.“
DAS WAPPEN
„Dieses Wappen hat Gaston-Louis Vuitton entworfen, Louis‘ Enkelsohn. Es illustriert die Herkunft der Maison und ihren Gründer, der aus dem Jura kam, einer Region, die für ihre Wälder bekannt ist. Man sieht einen Hobel, einen Hammer und das ‚V‘-Motiv, das den Slogan ‚Volez, Voguez, Voyagez‘ ankündigt, den die Maison in den 1960er Jahren benutzte. Es handelt sich um ein sehr einfaches, bescheidenes, fast simples Wappen, das daran erinnert, dass die Maison von einem Handwerker gegründet wurde, der sein Elternhaus im Alter von 14 Jahren verließ, um in Paris sein Glück zu versuchen. Dieses Wappen ist eine Hommage an das Handwerk und erinnert an die derbe und gleichzeitig edle Welt, der Louis Vuitton entstammt.“

DIE STEAMER
„Anfang des 20. Jahrhunderts gewannen Transatlantikreisen zunehmend an Beliebtheit und die Steamer Tasche von Louis Vuitton wurde zu einem Symbol für modernes Reisen. Damit ist sie genauso wichtig in der Geschichte der Maison wie der Truhenkoffer. Es handelt sich um eine weiche Tasche aus unbehandeltem Canvas und Leder, die klein zusammengelegt werden konnte und in einen Kabinenkoffer passte. Die Steamer antizipierte den Trend der weichen Taschen und war die Vorgängerin der Reise- und der Sporttasche. Ihr innovatives Design wurde im Laufe der Zeit bis zur Luxustasche weiterentwickelt.“
DIE TASCHE ROYAL
„Auch Bahn- und Forschungsreisen waren Inspirationsquellen für Louis Vuitton und führten zur Erfindung eines Systems von flachen Koffern, den Vorläufern des heutigen Koffers, und zu festen Taschen aus dickem Leder. Sie waren dafür ausgelegt, lange Reisen unter staubigen Bedingungen zu überstehen und die Reisenden überall zu begleiten. Der Kontrast zwischen der Steifheit und Robustheit der Taschen und der extremen Empfindlichkeit der Gegenstände, die sie enthielten, ist auffällig: Glasflaschen, Bürsten und andere Utensilien zur Körperpflege.“

Tags: Grand Palais, Ausstellung, Erbe